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„Bis Anfang der 1990er Jahre wäre der Nobelpreis unumstritten gewesen“ SPD Münster diskutierte im Roten Salon über Peter Handke

Dem diesjährigen Literaturnobelpreisträger Peter Handke widmete sich die SPD Münster am Sonntag in ihrem Roten Salon. In der Diskussion mit der Autorin und Übersetzerin Dr. Alida Bremer und dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Ernst Ribbat stand Handkes umstrittenes Eintreten für die Seite Serbiens in den Jugoslawienkriegen der 1990er Jahre im Mittelpunkt....

Ribbat betonte den hohen literarischen Wert und die Qualität der Werke Handkes: „Bis Anfang der 1990er Jahre, also bis zu seiner proserbischen Parteinahme, wäre der Nobelpreis für Handke völlig unumstritten gewesen.“ Die in Kroatien geborene Bremer entgegnete: „Die Literatur kann noch so wertvoll sein. Gegen die vielen Opfer allein des Genozids von Srebrenica verblasst sie vollständig in ihrer Bedeutung. Und diesen Genozid hat Handke nie uneingeschränkt als solchen verurteilt.“ Daher lehne sie die Preisverleihung an Handke ab und werde sich auch an den Gegenprotesten anlässlich der Preisverleihung in Stockholm beteiligen. Ribbat erklärte Handkes Positionen unter anderem mit seiner Kritik an einer als einseitig empfundenen Berichterstattung anlässlich der Kriege und einer biografischen Verbundenheit mit Jugoslawien. „Bei Handke kreist alles um das eigene Ich, seinen Blick auf die Welt und die Art, wie er die Realität beschreibt“, so Ribbat.


In der Diskussion mit dem Publikum wurde unter anderem die Frage gestellt, inwiefern sich bei einer Auszeichnung wie dem Nobelpreis zwischen Werk und Autor differenzieren lasse. Eine solche Trennung bezeichnete Bremer als unzulässig. Ribbat meinte mit Blick auf politische Äußerungen Handkes, er richte mit seinen vielen Interviews häufig Schaden an, der von seinem eigentlichen literarischen Werk ablenke. Als herausragend würdigte er Handkes „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ und seine kleineren Prosaarbeiten der „Versuche“.


Moderator Robert von Olberg, Vorsitzender der SPD Münster, dankte den Podiumsgästen anschließend und sagte voraus, dass die Debatte um den Schriftsteller Handke wohl über die Preisverleihung hinaus weiter anhalten werde. Bremer teilte diese Auffassung und stellte weitere eigene Veröffentlichungen wie ein Handke-Glossar in Aussicht.