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Die Schulentwicklungsplanung: Fehler und politische Spiele

Seit mehr als sieben Wochen diskutiert Münster den Schulentwicklungsplan, der die Schließung von drei Schulen vorsieht. Richtig ist: Alle Fraktionen im Rat haben die Erstellung eines Schulentwicklungsplans gefordert. Richtig ist aber auch: Zumindest die SPD hat weder einen Raumverteilungsplan noch eine Schulschließungsplanung gefordert.

 

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Münster-Kommentar

 

von Dr. Michael Jung

SPD-Ratsherr

 

Seit mehr als sieben Wochen diskutiert Münster den Schulentwicklungsplan, der die Schließung von drei Schulen vorsieht. Richtig ist: Alle Fraktionen im Rat haben die Erstellung eines Schulentwicklungsplans gefordert. Richtig ist aber auch: Zumindest die SPD hat weder einen Raumverteilungsplan noch eine Schulschließungsplanung gefordert. Was die Verwaltungsspitze als Vorschlag auf den Tisch gelegt hat, weist erhebliche Mängel auf: Die Planung beruht auf z.T. falschen Zahlen und unrichtigen Annahmen. Beispiel: Es wird unterstellt, dass die Sekundarstufe II der Gymnasien dramatische Schülerzuwächse erleben wird. Das wird aber in der Form nur geschehen, wenn die Entwicklungsmöglichkeiten der Berufskollegs deutlich beschnitten werden. Eine solche Zielsetzung wäre neu und ist sicher kein politischer Konsens. An anderer Stelle werden lediglich Münsteraner Schüler in die Prognose einbezogen, es wird aber übersehen, dass die Stadt Münster z.T. vertraglich zur Aufnahme auswärtiger Schüler aus den Gemeinden des ehemaligen Landkreises Münster verpflichtet ist. Fehler dieser Art ziehen sich durch die gesamte Planung.

 

Und auch die vorgeschlagenen Konsequenzen müssen hinterfragt und teilweise in Zweifel gezogen werden: So will die Stadt den Wettbewerb zwischen Schulen durch die Festschreibung von Zügigkeiten am grünen Tisch aushebeln. Und obwohl die Schülerzahlen an Gymnasien steigen, soll das Schlaun-Gymnasium geschlossen werden. Die Wartburghauptschule soll geschlossen werden, weil Hauptschülerzahlen sinken und die Schule einen hohen Sanierungsstau hat. Wer aber hat diesen zu verantworten? Die Schule wohl am wenigsten. Im Grundschulbereich wird die Aegidii-Ludgeri-Schule zur Schließung vorgeschlagen, ohne dass eine fundierte Prognose über die Grundschulentwicklung in den nächsten Jahren vorgelegt worden wäre ? die Räume werden halt für andere Zwecke benötigt.

 

Dies alles sollte nicht der Stil werden, wie in Münster mit Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrerinnen und Lehrern umgegangen wird. Am grünen Tisch sind bürokratische Modelle zu Raumverteilungen entstanden, ohne dass mit den Betroffenen auch nur ein rechtzeitiges Gespräch geführt worden wäre. Eine verantwortliche Schulentwicklungsplanung aber muss sowohl inhaltliche Aspekte (welche Bildungsangebote gibt es in Münster künftig wo?) ebenso wie Investitionsnotwendigkeiten und einen wirtschaftlichen Umgang mit Immobilien einbeziehen. Münster braucht zweifellos eine Schulentwicklungsplanung ? die jetzt vorliegende reicht dabei nicht aus.

 

Bemerkenswert ist außerdem, dass schon jetzt niemand mehr dafür verantwortlich sein will. Allen voran der Oberbürgermeister, der sich jeder Festlegung zum Thema enthält. Die schwarz-gelbe Rathauskoalition verspricht nun rasche Klarheit ? besser wäre es wohl gewesen, man hätte die gesamte Schulentwicklungsplanung konsensual und gesprächsorientiert angelegt, anstatt Schließungspläne zu verkünden, die hinterher zurückgenommen werden müssen. Stadtspitze und CDU/FDP betreiben mit ihrem Versuchsballon zur Schulentwicklungsplanung ein unverantwortliches politisches Spiel auf dem Rücken Münsteraner Schülerinnen und Schüler.