Wolfgang Heuer: „Mein Ehrgeiz ist es, Kinderarmut und Jugendarbeitslosigkeit ganz weit oben auf die Tagesordnung zu setzen“.
16 Punkte-Programm: Heuer will Netzwerk gegen Kinderarmut als "Chefsache"Ein „Netzwerk gegen Kinderarmut“, angesiedelt als Arbeitsbereich direkt bei einem Oberbürgermeister Wolfgang Heuer: Der SPD-Kandidat positioniert sich in der Woche vor der Wahl mit einem 16-Punkte-Programm zur Bekämpfung von Kinderarmut und Jugendarbeitslosigkeit deutlich.
„Vieles, was bisher an Einzel-Projekten und Initiativen in der Stadt läuft, ist sicher gut. Ich möchte aber ein Gesamtkonzept auf den Weg bringen!“
"Niemanden abhängen"
Dass die Ideen hinter dem Programm Kosten verursachen werden – denn Heuer will Kürzungen zurücknehmen, durchaus auch beim Thema Personal investieren und z.B. den ‚Münster-Pass‘ wieder einführen – ist ihm bewusst. „Aber das sind keine Millionen“, so hält er die Ausgaben für überschaubar, vor allem aber für dringend notwendig: „Wir dürfen keine Kinder und Jugendlichen abhängen von unserer Stadtgesellschaft!“, so warnt er vor den Folgen fehlender und unzulänglicher Lebenschancen, die Talente und Potenziale verloren gehen ließen. „Das ist eine zentrale Aufgabe der Kommunalpolitik, für Integration und Chancengleichheit zu sorgen“.
8000 arme Kinder in der Stadt
Rund 8000 Kinder und junge Menschen bis 18 Jahren zählen in Münster zu den 25 000 Menschen, die nach gesetzlicher Definition als „arm“ gelten. Damit ihre Zukunftschancen nicht wie bisher allzu oft durch ihre soziale Herkunft bestimmt wird, sondern sie die gleichen Möglichkeiten bekommen wie Kinder aus weniger problembehafteten Familien, dafür müsse gezielt vorbeugend und unterstützend gehandelt werden – „Chefsache“ für Heuer.
Modellprojekte ausweiten
Sein 16 Punkte-Programm umfasst dabei sowohl die Vernetzung und den stadtweiten Ausbau von Förderangeboten wie dem „Sozialen Frühwarnsystem“, einem Modellprojekt in Coerde, oder der „Stadtteilwerkstatt“ für niedrig qualifizierte und schulmüde Jugendliche als auch die verstärkte sozialpädagogische Unterstützung. „Dazu gehört auch eine Neustrukturierung und Verbesserung der Schulsozialarbeit inklusive der Schulpsychologischen Beratungsstelle“, sagt Wolfgang Heuer.
Aktive Arbeitsmarktpolitik
Sicher hätten Bund und Land viele Optionen in der Hand, auf die die Stadt wenig Einfluss habe. Dennoch könnten Rat und Verwaltung etwa mit einer aktiven Arbeitsmarkt-Politik und nicht zuletzt der Forderung nach Mindestlöhnen für die Minderung von Armutsrisiken bei den Eltern eintreten.
Münster-Pass und Schulbuchkosten
Die Wiedereinführung des „Münster-Passes“ mit kostenfreien (für Kinder) bzw. rabattierten Beiträgen und Eintrittsgeldern zu städtischen Einrichtungen (Kultur, Bildung, Sport, Freizeit) habe hohe Priorität, ebenso wie Verhandlungen mit nichtstädtischen Anbietern im Kultur-, Bildungs- und Sportbereich über Preisnachlässe für den betroffenen Personenkreis. Klarheit will Heuer auch bei den Schulbuchkosten: „Für Kinder aus Haushalten, die Arbeitslosengeld II beziehen, übernimmt dauerhaft die Stadt diese Kosten aus dem Etat“. Ebenso will er das Mittagessen in den Übermittagsangeboten der Schulen für Kinder aus einkommensschwachen Familien kostenfrei stellen: „Selbst der eine Euro, den viele heute nur zahlen müssen, ist für manche Eltern ein Problem“, hat Heuer vor Ort oft gehört.
Berufs-Förder-Angebote
Dass gerade Jugendliche auf dem Weg zwischen Schule und Beruf oft Unterstützung brauchen, gehöre ebenso ins Blickfeld: „Ich möchte das Projekt Kooperationsprojekt für haupt- und Förderschulen wieder aufnehmen und ein Projekt zur Förderung von Schlüsselqualifikationen für den Berufsalltag neu auflegen“, will Heuer Praktiker aus Betrieben, Lehrer und Sozialpädagogen dafür an einen Tisch holen.
Kooperation mit Uni und FH
Um möglichst rasch auf Veränderungen reagieren zu können, soll eine kontinuierliche Armutsberichtserstattung aus der Verwaltung kommen. „Das muss ja nicht immer der teure, dicke Bericht voller Gutachten sein“, sieht Heuer hier zum Beispiel durchaus Kooperationsfelder mit Universität und Fachhochschule. Auch Patenschafts- und Mentoring-Modelle zur Förderung der Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen will Heuer ausbauen.
Oben auf der Tagesordnung
„Mein Ehrgeiz ist es, die Problematik von Kinderarmut, Jugendarbeitslosigkeit – und ganz sicher zukünftig auch die Altersarmut aufgrund gebrochener Erwerbsbiografien – ganz weit oben auf die Tagesordnung zu setzen“.