22.11.2007

Bild: Echo-Münster-Banner

Skulpturen-Streit: Schwieriger Job für die BV

Auf der Bezirksvertretung (BV) Münster-Mitte ruhen seit Mittwochabend die Hoffnungen all jener, die Münster im Skulpturen-Streit weiterhin als „weltoffen“, „modern“, obendrein „tolerant“ positioniert sehen möchten.

Während der „Aktuellen Stunde“ zu Beginn der Ratssitzung (echo-muenster berichtete) machten die Vertreter der Opposition deutlich, dass es nunmehr in Anbetracht der eigenen Kompetenzen Aufgabe der BVler sei, der Stadt-Gesellschaft den "dringend notwendigen Konsens" wieder zurückzugeben. Zu immens sei der Schaden, den die „unsägliche Entscheidung“ des Kulturausschusses, die Werke von Silke Wagner (Wulf-Litfasssäule) und Martha Rosler (Adler-Relief) nicht vor Ort belassen zu wollen, inzwischen hervorgerufen habe. Im Fachgremium hatten CDU und FDP am 7. November gegen einen Verbleib gestimmt, sich damit über die anderslautenden Aussagen der Kunstkommission hinweg gesetzt.

Kein Redebeitrag der FDP

In der Debatte, an der sich die Liberalen übrigens mit keinem einzigen Redebeitrag beteiligten, fielen deutliche Worte – hier wie dort. Fritz Pfau (UWG) etwa tadelte den umstrittenen Beschluss als „Kultur-Zensur“, GALlier Hery Klas attestierte den Mehrheitsparteien gar eine „blamable Show“ – angesichts jenes überschwänglichen Echos, das die internationale Schau allseits gefunden hatte. Ähnlich wie Klas konstatierte Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson (SPD) ihrerseits mit „großer Sorge“, dass die Koalition drauf und dran sei, das „hervorragende Image der Stadt“ zu verspielen, indem sie „provokative“ Ansätze bewusst aussortiere.

Aufgeklärte Republik

Gerade Wagners Arbeit symbolisiere am Beispiel des schweren Schicksals von Paul Wulf (er war unter den Nazis zwangssterilisiert worden) kritische Herangehensweisen gegenüber der eigenen Geschichte, ebenso sei Roslers Konzept geeignet, nachdenklichere Betrachtungen zur deutschen Vergangenheit auszulösen. Beides Exponate, befand der sozialdemokratische Fraktionschef Wolfgang Heuer, die das „Selbstverständnis einer aufgeklärten Republik“ widerspiegeln würden. Stattdessen aber Fußgängerzonen nach Manier von CDU/FDP eher mit weniger anstößigem Material „aufzuhübschen“, könne nicht der richtige Weg sein. Hart ging er mit dem fachpolitischen Sprecher der Union, Dr. Dietmar Erber, ins Gericht. Der habe mit der „kalten, unverfrorenen Art“, das Votum des Kulturausschusses zu verteidigen, die Riesen-Chance vertan, für ein künftig gedeihlicheres Procedere in der Angelegenheit zu sorgen.

Persönlichkeitsrechte

Erber hatte sich zuvor heftig dagegen verwahrt, von der Gegenseite in die „rechte Ecke“ bugsiert zu werden. Außerdem könne er nicht nachvollziehen, warum plötzlich ein „provinzielleres“ Klima drohe: „Nur deswegen, weil wir den Experten und Besuchern nicht nach dem Munde reden?“ Der Christdemokrat bekräftigte nochmals die Ansicht seiner Fraktion, Persönlichkeitsrechte von Wulf schützen zu müssen: „Er darf nicht von Dritten instrumentalisiert werden“ – eine Auffassung, die Parteifreundin Elfriede Dalla Riva-Hanning grundsätzlich unterstützte: „Es besteht die Gefahr, dass man ihn benutzt.“

Von Roslers vierteiligem Gesamt-Opus künftig lediglich nur das plakative Einzelstück zu platzieren, auch damit mochten sich die Zwei nicht anfreunden. Den Intentionen der Künstlerin würde dies kaum gerecht. Was Vilhjalmsson prompt zurückwies: das Einverständnis der Protagonistin läge längst vor. Frank Baumann steuerte am Ende für die CDU kooperationswilligere Statements bei: Angesichts einer emotional aufgeheizten Diskussion schlug er vor, alsbald den Versuch für gemeinsame Lösungen zu starten. Die süffisante Schlussbemerkung blieb Wilhelm Breitenbach (Die Grünen) vorbehalten: Er riet Erber, als Sprecher beim Kölner Kardinal Joachim Meissner anzuheuern.

Die arme BV, sie hat keinen leichten Job vor sich - denn wenn überhaupt noch etwas zu retten ist, dann durch sie. OB Dr. Berthold Tillmann hatte anfangs unmissverständlich klargestellt, dass der Rat so rasch keinerlei Korrekturen bewirken könne. In der Sache sei der Kulturausschuss zuständig gewesen...

Wolfgang Halberscheidt
echo-muenster.de - 22.11.2007



zurück
Berichten Sie darüber:
  • bei twitter
  • bei facebook
  • bei delicious
  • bei digg
  • bei google
  • bei webnews
  • bei Mister Wong
  • versenden
Ihr Name

Ihre Mailadresse:
Name des Empfängers
Empfänger-Adresse
Nachricht für den Empfänger
Sicherheitsfrage:Bitte tragen Sie das Ergebnis der folgenden einfachen Rechnung ein: 8 + 8 =



Termine
31.05.2016 19:00
Stadtteilkonferenz

Für die Ortsvereine MS-Coerde, MS-Kinderhaus-Sprakel, MS-Handorf, MS-Ost
Mehr Infos...

zurückblättern nicht möglich blättern vorwaerts