22.11.2007

Bild: Vilhjalmsson, Beate

Die Stunde der Opposition: Heftiger Skulpturen-Streit im Rat

Heftig diskutierte der Rat in einer „Aktuellen Stunde“ über die Entscheidung von CDU und FDP gegen den Verbleib der Skulptur-Projekte „Paul Wulf“ und Arkaden-Adler.

Für die CDU wiederholten Dr. Dietmar Erber und Elfriede Dalla Riva-Hanning die bereits im Kulturausschuss vorgetragenen Argumente. Erber hielt die politische Entscheidungshoheit hoch. Die Kunstkommissionsliste sei nur ein Vorschlag. „Wir haben uns bei der Entscheidung nicht an Übernachtungszahlen oder den Feuilletons orientiert.“ Bei Paul Wulf gelte es das Persönlichkeitsrecht zu schützen. Riva-Hanning meinte dazu, dass die Künstlerin Rosler ihren „Reichsadler“ auch als Teil für vollwertig erachtet: „Die nachgeschobene Umdeutung konnte uns nicht überzeugen.“ Die Spitze der Koalition, Heinz-Dieter Sellenriek (CDU) und Carola Möllemann-Appelhoff (FDP), schwieg zum Thema.

Doch am Mittwochabend war die Stunde der Opposition. Hery Klas (Grüne): „Sie sollten nicht zum zweiten Mal Paul Wulf mundtot machen.“ Und für eine Kunstkommission machte er geltend, es könne nicht sein, dass je nach Koalitionsfarbe Bilder auf- und abgehängt, Skulpturen gezeigt oder verhüllt würden. Das sei ein Rückfall in „Barbarei.“

Wendela-Beate Vilhjalmsson (SPD): „Längst vergessen geglaubte Vorurteile über Münster, provinziell und kleinkariert zu sein“, seien wieder da. Wolfgang Heuer (SPD) nannte die starre Haltung der CDU „kalt und unverfroren“: „Sie haben hier eine große Chance verspielt, klärende Worte zu sprechen.“ In Münsters Stadtgesellschaft sei die Weltoffenheit angekommen, in der CDU „offensichtlich nicht“. Gerade die aussortierten Skulpturen stünden für eine aufgeklärte Gesellschaft. Dr. Michael Jung (SPD): „Sie machen hier politische Zensur.“

Tim Rohleder (Grüne) erwiderte auf Erbers Protest, er lasse sich nicht in die rechte Ecke stellen: „Nicht ich rücke Sie in die rechte Ecke, das tun Sie schon selbst.“ Wilhelm Breitenbach (Grüne) schlug Erber gar als kulturpolitischen Sprecher von Kardinal Meisner vor. Der hatte über zeitgenössische Kunst von „entarteter Kunst“ gesprochen.

Gerhard H. Kock
Westfälische Nachrichten 22.11.2007



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